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Virtuelles Fenster in die eigene Vergangenheit PDF Print E-mail
There are no translations available.Tragödien und Trauer, der Schmerz der Hinterbliebenen: Nur wenige Zeilen Platz bleiben auf Sterbebildern für die Bilanz eines ganzen Lebens, und sie lassen nur erahnen, welche Schicksale dahinterstecken. Für Menschen, die ihre Familiengeschichte erforschen wollen, sind die Daten oft eine wertvolle Hilfe. Fast 13.000 Sterbebilder von Opfern der beiden Weltkriege sind nun im Internet abrufbar und können nach Namen durchsucht werden.  

Treibende Kraft hinter der Seite von „Gen-Team“ ist Felix Gundacker, Österreichs einziger Berufs-Ahnenforscher. Die Sterbebilder sind nur eine von mehreren gigantischen Datenbanken auf der Webseite. Entstanden ist sie aus der Solidarität einiger engagierter Genealogen und Historiker, die bereits Vorarbeiten geleistet hatten: „Viele haben das Bedürfnis, etwas zurückzugeben“, sagt Gundacker. So entstand eine Fundgrube mit insgesamt bereits 1,5 Millionen Datensätzen.

Von den teils enorm aufwendigen Bemühungen profitieren nun andere, die sich in ihren Recherchen mitunter weite Wege und lange Suchen in Archiven ersparen. Jüngster Zuwachs sind die Sterbeanzeigen aus der „Neuen Freien Presse“ zwischen 1864 und 1900, die ebenfalls bequem durchsucht werden können. Ebenfalls auf genteam.at verfügbar ist ein Index aller katholischen Trauungen in Wien und Umgebung zwischen 1542 und ca. 1850/1860, eine Index-Sammlung aus jüdischen Matrikeln von 1784 bis 1929 und ein Verzeichnis sämtlicher Mühlen und Mühlenbesitzer in Österreich von 1876. „Das hat auch mir bereits bei einer Suche geholfen“, sagt Gundacker. Begeisterte Rückmeldungen für seine Online-Initiative bekommt er aus vielen Ländern: „Sogar das Holocaust-Museum in Israel hat geschrieben, weil es für deren Arbeit eine unglaublich wertvolle Unterstützung gewesen ist.“

Das virtuelle Fenster in die Vergangenheit wird laufend größer. „Im Sommer steht die nächste Erweiterung an, schon bald werden drei Millionen Datensätze verfügbar sein“, verspricht Felix Gundacker. Immer mehr Diözesen digitalisieren auch bereits alte Kirchenbücher, um sie online verfügbar zu machen. Vorreiter dabei ist St. Pölten, das gemeinsam mit dem oberösterreichischen Landesarchiv und mehreren deutschen Kirchenarchiven die Datenbank matricula-online.eu geschaffen hat.

Das Interesse an Familienforschung ist unvermindert groß. Kamen früher viele Anfragen aus Übersee, so nehme jetzt der Anteil heimischer Interessenten zu, berichtet Gundacker. Trotz aller Internetunterstützung bleibe einem Ahnenforscher aber nicht erspart, weiter viel Zeit in Archiven zu verbringen. Gundacker selbst wühlt sich regelmäßig durch Matrikeln in allen Ländern der ehemaligen Donaumonarchie. „Die Reisetätigkeit wird durch die Online-Datenbanken weniger werden“, glaubt er. „Aber frühestens in zehn Jahren.“Internet: www.genteam.at

 

Quelle:  Gerhard Öhlinger Wien (SN). Pano / 21.07.2010 21.07.2010 / Print

Frank Vogel
Written on Wednesday, 21 July 2010 19:08 by Frank Vogel

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