In Kürze wird der Hamburger Senat eine Gesetzesinitiative in den Bundesrat einbringen, mit dem die Veröffentlichung georeferenzierter Bilder im Internet beschränkt und mit Bußgeldern belegt werden soll. Das Gesetz zielt auf den Google Dienst „Street View", trifft aber auch andere Anbieter. Auf der Stadtgeschichte- und Architektur-Website http://www.time-o-rama.com kann man sich seit gestern ansehen, wie die Zukunft des Internets in Deutschland aussehen könnte.
Die Website blendet im Fotoblock ihrer Startseite zehn Häuserfotos aus und zeigt stattdessen schwarze Blöcke mit der Aufschrift "Foto zensiert!". Jeder Block nennt einen anderen Grund, warum zukünftig das dahinter verborgene Bild mit Hilfe der geplanten Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes gesperrt werden könnte, alle im Einklang mit dem neuen Gesetzestext. Ein Klick auf die zensierten Bilder führt zu einem Interview des time-o-rama.com Betreibers Peter Debik mit dem Online Magazin "casudo", das die Problematik ausführlicher schildert. Hintergrund der Aktion ist der seit Monaten schwelende Streit um Häuseransichten im Internet, in dem schon einige Gemeinden gegen die Veröffentlichung von Fotos öffentlicher Gebäude, vor allem Schulen undKindergärten, bei Google widersprochen haben.
Pikantes Detail: In allenGemeinden, die Widerspruch einlegten, zeigen die Schulen auf ihren eigenen Homepages sehr viel mehr Details über sich, als Street View es könnte, einschließlich vieler Kinderfotos nebst personenbezogener Informationen zu Schülern, deren Hobbies, der letzten Klassenfahrt, geplanten Schul-Aktivitätenund mehr.
Quelle: Pressemitteilung Bitpalast GmbH
Es ist schon rührend, wie Politiker sich um den Datenschutz im Internet bemühen. Während die Datensammelwut des Staates immer neue Gesetze hervorbringt, die mit absurd sehr wohlwollend umschrieben sind, sehen einige Politiker durch Google "Street View" die Privatsphäre der Bürger bedroht.
Die Bundeskanzlerin wirbt anlässlich der Cebit in ihrem Podcast für Widerspruchsmöglichkeiten auf den Seiten des Verbraucherschutzministeriums. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner bezeichnet im Focus-Interview "StreetView" als "millionenfache Verletzung der Privatsphäre". Und jetzt auch noch eine Gesetzesinitiative die vor sieht, dass jeder Bürger, der Straßen und Häuser fotografieren und georeferenziert im Internet veröffentlichen will, einen Monat vorher beim Datenschutzbeauftragten eine Anmeldung ausfüllt und sogar kostspielige Anzeigen in den örtlichen Zeitungen schaltet.
Das neue Gesetz zielt zwar in erster Linie auf den Google Dienst „Street View", bringt aber auch zahlreiche Nachteile für Ahnenforscher und Bürger, die die Heimatgeschichte ihrer Region erforschen und diese online dokumentieren. Die Veröffentlichung von Fotos die Orte der Familien- oder Heimatgeschichte zeigen, würde der Willkür privater oder staatlicher Gebäudeeigentümer unterworfen.
Durch die Presseberichte der letzten Monate entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, die Mehrheit der Bürger sei gegen "Street View." Aber das stimmt so nicht, denn bislang hat Google nicht einmal 10.000 Widersprüche gegen Street View erhalten, was in etwa 0,25 Promille aller deutschen Haushalte entspricht.
Bleibt zu hoffen, dass die verantwortlichen Politiker die Unsinnigkeit der Gesetzesvorlage erkennen, und dass die Widersprüche gegen "Street View" und ähnliche Angebote sich in Grenzen halten, denn für alle, die sich in Zukunft mit Geschichte beschäftigen, wird Googles "Street View" eine einzigartige Momentaufnahme des Jahres 2010 sein.
Eine solche Momentaufnahme des Jahres 1910 wäre eine unglaubliche Hilfe für alle Genealogen und Heimatforscher. Ich würde einiges dafür geben, wenn es ein „Street View 1910" gäbe!






