Heinrich August Herwig war wie seine Brüder sehr musikalisch veranlagt. Der Stadtmusikant Klöpke in Harzgerode war mit der Familie Herwig eng befreundet. Er ist öfter im Kirchenbuch als Gevatter bei den Kindern der Herwigs aufgezeichnet. Es ist wohl anzunehmen, dass er Heinrich August den ersten Musikunterricht erteilte und die Lust und Liebe zu dem Beruf eines Stadtmusikanten bei ihm weckte.
Heinrich August ging nach gehöriger Lehrzeit auf Wanderschaft. Im Jahre 1731 kam er nach Berlin und blieb dort sieben Jahre Stadtpfeifergeselle bei dem Stadtmusikanten Heinrich Christoph Reinhard. Reinhardt wurde am 25.04.1705 zum Cöllnischen Stadtmusikanten ernannt, er muss ein recht guter Musiker gewesen sein. Er traute sich zu, als Musiklehrer ein besseres Auskommen zu haben wie als Stadtpfeifer und unterbreitete nach 33-jähriger Amtstätigkeit dem Magistrat den Vorschlag, dass er von seiner Stelle zurückträte, um sich ganz dem Stundengeben zu widmen, und dass sein Geselle Heinrich August Herbig, der bereits seit 7 Jahren in seinen Diensten gestanden hatte, die Stadtpfeiferei übernähme.
Der Magistrat ging in der Tat auf diesen Vorschlag ein und stellte Heinrich August Herbig am 14. Oktober 1738 an. Diese Stelle war in Musikerkreisen, trotz der geringen Bezahlung sehr begehrt, ja man riss sich darum, städtischer Kapellmeister zu werden. In den Berliner Adressbüchern von 1738-1755 ist er namentlich als Stadtmusikus im "Geistlichen Stand der St Petrikirche" aufgeführt. 17 Jahre blieb er in seiner Stellung mit einem kargen Gehalt von 30 THL. und 8 Gr. nebst freier Wohnung und extra Vergütung eines Wipfel Roggen und eines Haufen Kienholzes. Heinrich August Herwig hatte in der Kirche zu spielen und seine Pfeiffergesellen anzuhalten hoch auf den Türmen der Stadt alle Tage den Morgen um 10 Uhr und den Abend um 10 Uhr, zur Winterzeit um 9 Uhr, mit Zinken und Posaunen, abzublasen. Auch mussten die Gesellen Wache halten und bei Feuergefahr die Trompeten blasen, sowie durch Ausstecken der Feuerfahne bei Tage und Aushängen der Laterne bei Nacht nach Vorschrift der Feuerordnung handeln. Bei Hochzeiten, Kindtaufen und Begräbnissen hatten sie die nötige Musik zu machen.
Heinrich August Herbig heiratete am 9.9.1742 Viktoria Sophia Kuntzin.
Aus der dreizehnjährigen Ehe gingen fünf Kinder hervor:
Sophia Augusta Herbig (* 28. 07.1743)
Maria Dorothea Herbig (* 27. 03.1746)
Henrietta Lovica Herbig (* 24. 03.1748)
Friederike Sophia Herbig (* 26. 04.1750)
Johann-Friedrich Herbig (* 16. 10. 1754)
Ende 1755 verfiel Heinrich August Herbig in schwere Krankheit. Er schrieb ein Bittgesuch an den König Friedrich II:
Allererlauchtester Kurfürst, Zu Eur. Königl. Maj. Füßen wirft sich ein Mann,
der auf seinem Krankenlager einen nahen und unvermeidlichen Tod vermutet
und seine unglückliche Frau mit 4 ganz kleinen Kindern, wovon das jüngste nicht
viel über ein Jahr alt ist, in solch armseligen Zuständen hinterläßt, daß sie
notleiden muß, wenn Ihr nicht nach meinem Ableben die Stelle, wovon ich
bisher mein notdürftiges Brot gehabt habe, in Gnaden gelassen wird.
Im Falle einer zweiten Ehe bitte ich, daß der Dienst auch auf ihren zweiten
Mann transferiert wird Ich getröste mich mit allergnädigster Erhörung
und ersterbe Ew. Königl. Maj.
Heinrich August Herbig
Stadtmusikus der St. Petrikirche
Heute weiß ich, dass aus der Taufpatin von Heinrich August Herwig eine entfernte Verwandte gemacht wurde und Fürstin Sophia Augusta von Anhalt Harzgerode wurde dann auch noch mit Fürstin Sophie Auguste von Anhalt Zerbst, der Urgroßmutter von Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg die spätere Katharina II, genannt Katharina die Große, verwechselt. Ich kann nicht sagen, wie lange die Geschichte in meiner Familie schon so erzählt wurde, oder ob sie meine Großmutter selbst erfunden hat, auf jeden Fall ist sie erstunken und erlogen, aber wunderbar erzählt und wer weiß, ob ich mich ohne diese kleinen Mogeleien in ihren Erzählungen jemals für unsere Vorfahren interessiert hätte.
Quellen:
Hedwig Kreyenberg, Geschichte der Familie Herbig 1572 – 1936,
Vahlen, Berlin 1940
Curt Sachs, Musikgeschichte der Stadt Berlin bis zum Jahre 1800,
Gebrüder Paetel Berlin, 1908,






