Hühnengräber rund um Berge weisen jedoch darauf hin, dass dieser Raum bereits vor 5000 Jahren von Menschen bewohnt war.
Vor 2000 Jahren lebte dort der germanische Volksstamm der Chasuarier. In der Völkerwanderung siedelten sich aus Schleswig-
Holstein kommende Sachsen an. Diese sind die Vorfahren der noch bis heute ansässigen alten Berger Bauernfamilien.
Mit der Übertragung der Gerichtsrechte in den Gogerichten Osnabrück und Ankum an den Osnabrücker Bischof Engelbert durch Kaiser Friedrich II wurde auch Berge Teil dieser Herrschaft. Gutsherr für 33 Kolonate und 27 Kotten im Kirchspiel Berge war das Stift Börstel. Die Stellung dieser Börsteler Eigenhörigen entsprach im Wesentlichen dem westfälischen meyerstättischen Recht.
Wie waren nun die konfessionellen Verhältnisse in Berge bei Ausbruch des 30 jährigen Krieges? Von 1603-1651 war ein Pfarrer Johann Hektor Pfarrer in Berge. Johann Hektor war verheiratet und hielt sich wie der übrigen überwiegende Teil der Gemeinde zur lutherischen Kirche. Im Jahre 1624 bereiste der Jesuitenpater Lucenius im Auftrag des Bischofs von Osnabrück sämtliche Kirchen des Bistums. Er stellte fest, dass Berge fast ganz lutherisch war - einschließlich Pfarrer. So hätte Berge nach dem Westfälischen Frieden eigentlich zur lutherischen Kirche geschlagen werden müssen. Doch nach dem “Vollmarschen Durchschlage“ sah man beim Friedensschluss von einer nochmaligen genauen Untersuchung ab und tauschte von beiden Konfessionen gleichzeitig reklamierte Kirchengemeinden, eine gegen die andere gesetzt, einfach aus. So wurde Berge gegen Venne bei Bramsche ausgetauscht. Die Kirche in Venne wurde lutherisch, die von Berge katholisch. Damit waren die evangelischen Einwohner Berges, zu denen auch die Wiebols zählten, auf die lutherische Kirchen in Börstel und Bippen angewiesen.(lediglich der Kirchhofwurde von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt.) Erst 1765 durften eine lutherische Schule und 1823 eine lutherische Kirche neu erbaut werden.
Seit frühesten Zeiten waren die Einwohner der alten, am Friesenweg gelegenen, Kirchenburg Berge nicht nur Bauern, sondern in gleichem, wenn nicht größeren Maße Kaufleute. Über diese Berger Kaufleute werden die heimischen Produkte wie Woll- und Leinenlaken veredelt und vertrieben.
Gerhard Meyding schrieb dazu in seinen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1926:
“… Neben dem Hollandgang war das häusliche Spinnen und Weben, vornehmlich von Wollaken, ein wichtiger Nebenerwerb… 1772 wird von 97 Wollakenwebern im Kirchspiel berichtet. Sie arbeiteten selbständig und auf eigene Rechnung. Fabrikähnliche Einrichtungen waren nicht vorhanden. Das änderte sich jedoch gegen Ende des 18.Jahrhunderts, als unternehmende Kaufleute in Berge das sogenannte Verlagssystem einführten, und dadurch viele Weber auf die Stufe ländlicher Heimarbeiter herabdrückten. Das System bestand darin, das Wollaken- „für die damit handelnden Kaufleute fabrizieret wird, als wozu von solchem Kaufmann gewöhnlich die Materialien an Wolle und Garn dem Verfertiger zugestellt, oder denselben hierzu das Geld verabreichet, und demnächst die Verfertigung zu einem gewissen Arbeitspreise von jedem Stück Wollaken bezahlt wird. Die Gesamtheit der bei einem Unternehmen zusammen gefassten Handweber bildete eine Fabrik …“
Das Verlagssystem erreichte Im Kirchspiel Berge binnen weniger Jahrzehnte ein beachtliches Ausmaß. 1845 werden für das Kirchspiel folgende Wollakenfabrikanten angegeben, die an die 250 Hausweber und 150 weitere Arbeitskräfte beschäftigten:
Meyer u. Floors,
Gebrüder Wiebols sen.,
Gebrüder Wiebols jun.,
Stöve, M.
Meyer,
Meiding u. Co.
Gebrüder Sandhaus.
Gerhard Meyding schreibt weiter:
„… Um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert war es einigen Männern aus Berge gelungen, dort (in Holland) festen Fuß zu fassen, kleine aber einträgliche Geschäfte zu gründen, und so zu einem für die damaligen Verhältnisse leidlichen Wohlstand zu gelangen. Ich nenne als solche Wiebols, Meyer, Köster und Stöve. Mein Urgroßvater gab einen seiner Söhne, Casper, nach Holland in das Geschäft des Jacob Köster (ein Wibolscher Vorfahre) nach Kromenie (15 Km nördlich von Amsterdam), während er seinen jüngsten Sohn Gerhard Heinrich (meinen Großvater) dazu bestimmte, die in den Bauernschaften noch ziemlich allgemeinbetriebenen Hauswebereien zu besuchen, um einen ausgedehnten Tauschhandel durch Vermittlung des holländischen Geschäfts ins Werk zu setzen und das Köstersche-Geschäft, daß sie im Jahre 1815 übernahmen und unter Firma Gebr. Meydin weiterführten, nahm unter ihrer Leitung einen außerordentlichen Aufschwung…“
Dieser Urgroßonkel Casper Meyding war mit Helene Adelheid Hacker einer Schwester der Wiebolschen Ahnfrau (Lucie Elisabeth Hacker) verheiratet.
Im Jahre 1835 waren es dann gerade diese Kaufleute im Hollandhandel, die durch großzügige Stiftungen den Kirchenneubau der evangelischen Kirche in Berge möglich machten. Fast alle Spendernamen sind zugleich Namen aus dem Wiebolschen Familienkreis, wie B.H. Wiebols, J.G. Wiebols, Meyer Sandhaus, Hallwasse und Köster.
Ursprung der Familie Wiebols im Kirchspiel Berge
Die Familie Wiebols in Berge/Schmone wird seit 1599 auf dem Hof Nr. 49 nachgewiesen. Älteste Vorfahren auf diesem Hof sind 1599 Wibboldus Joh., 1655 Wibboldts Joh., 1722 Berend Bols Wiebols. Der Hof und seine Besitzer waren immer frei. Dieser Wiebolsche Hof in Berge/Schmone war trotz ansehnlicher Größe eine sogenannte Markkötterei, die vermutlich im 15. Jahrhundert in der unkultivierten Mark für einen nachgeborenen Sohn eines Markenberechtigten Hofbesitzers entstanden war. Der erste Wiebols auf dem Hof Schmone Nr.49 stammte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von dem Halberbenhof Wilbers aus Berge/Grafeld, auf dem 1441 und 1470 ein Wibbolt to Graflo, 1512 Wilberdes Tole und 1599 Wilbers Marten nachgewiesen sind.
Haben sich die Hofnamen im Laufe der Jahrhunderte auch auseinander entwickelt, im 15. u. 16. Jahrhundert gleichen sie sich noch fast vollständig. Der Grafelder heißt 1470 Wibbolt, der Schmoner 1599 Wibboldus. Die Halberbenhöfe im Raum Berge waren wiederum seit dem 12. Jahrhundert aus Hofteilungen der vollerbigen Höfe entstanden, die sich vereinzelt durch Landerwerbungen wieder zu Vollerben auffüllen konnten. Soweit das nicht gelang, nannte man sie, da auf den neuen Höfen je eine Hälfte der Markennutzungsrechte des Urhofes entfielen, Halberben. Diese Bezeichnung fand auch auf jene Höfe Anwendung, die zu dieser Zeit nicht aus Teilung, sondern als selbständige Neugründungen entstanden. Ihnen billigte man ebenfalls nur die halben Nutzungsrechte der Vollerben zu.
Ob dieser Halberbe Wibbolt oder Wilberdes nun wiederum vom Vollerbenhof Wilbertinnck oder Wilberding in Berge/Anten stammt, kann nur vermutet werden. Auf diesem Vollerbenhof wird 1403 ein Willbrandyck und 1470 Gerke To Wilbertinck nachgewiesen.
Berendt Bols Wiebols
Berendt Bols wird 1722 als erster Bols Wiebols auf dem Wiebolshof Nr. 49 nachgewiesen. Im gleichen Jahr wird er als landesherrlicher Boten- und Postreiter ausgewiesen und in einem Verzeichnis der Gewerbetreibenden von 1759 wird er als Herbergierer und Schnapsbrenner genannt.
Die Schnapsbrennerei wird auf dem Hof bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen.
Durch ihn wird auch die in Wiebolschen Verwandschaft überlieferte Verbindung zur Familie des 1575 in Amsterdam lebenden Schnapsfabrikannten und Begründer der weltbekannten Likörfabrik BOLS – Erven Lucas Bols - begründet. Diese Verbindung konnte ich bislang zwar nicht nachweisen, genauso wenig läßt sie sich jedoch widerlegen.
Der Name von Berend Bols Ehefrau ist nicht bekannt. Als sicher muss angenommen werden, dass sie eine geborene Wiebols war und Berend Bols durch diese Heirat den Hofnamen Wiebols angenommen hat. Der in der Folgegeneration auf dem Hofe nachgewiesene Johann Heinrich Wiebols ist einer seiner Söhne und Anerbe des Hofes gewesen.
Johann Heinrich Wiebols
Johann Heinrich Wiebols mein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater wurde vermutlich 1720 als Sohn des Berend Bols Wiebols in Berge/Schmone geboren. Er war Anerbe des wiebolschen Hofes in Schmone Nr.49. Später heiratete er Maria Christina Köster. Die Familie seiner Frau betrieb im 18. Jahrhundert ein Handelsgeschäft in Krommenie (Nordholland). Das war vermutlich das gleiche Geschäft, dass 1818 die Brüder Caspar und Gerhard Meyding ererbten und bis zur Aufgabe 1869 unter dem Namen Gebr. Meyding weiterführten. Bekannt ist, dass Johann Heinrich Hofbesitzer des Hofes Schmone Nr.49 war, dass auch er wie fast alle seiner Nachkommen Kauflmann im Hollandhandel war, muss als sicher angenommen werden. Wie zur Zeit seines Vaters war mit dem Hof das Amt eines landesherrlichen Boten- und Postreiters sowie die Privilegien Herbergierer und Schnapsbrenner verbunden.
Johann Heinrich und Maria Christiane hatten miteinander 4 Kinder:
- Johann Diedrich Wiebols (geb. 14.10.1751)
- Johann Gerhard Heinrich Wiebols
- Katharina Adelheid Wiebols geb. 26.8.1770
- Bernhard Heinrich Wiebols
Johann,Diedrich Wiebols
Johann Diedrich Wiebols wurde am 14.10.1751 als Sohn des Johann Heinrich Wiebols und seiner Frau Maria, Christina Köster in Schmone Nr.49 geboren. Über seinen Lebenslauf ist wenig überliefert.
Im Berger Heimatbuch wird er als Schnapsfabrikannt Bols-Wiebols erwähnt. Das Hausverzeichnis der Vogtey Berge von 1780 weist ihn als Besitzer des Hofes Nr.49, der späteren Försterei, aus.
Am 18.05.1786 heiratet er Lucie, Elisabeth Hacker, die Tochter des Kaufmanns Johann Gerd Hacker, in Broeck in Waterland (Holland). Broek in Waterland liegt ca. 5 km vor den Toren Amsterdams, an der Straße nach Purmerend. Mit dieser Heirat hat er vermutlich in das Geschäft des Schwiegervaters eingeheiratet und es später geerbt, denn gegen Mitte des 19. Jahrhunderts ist es in den Händen von zweien seiner Söhne, Gerd und Heinrich Wiebols. Das alte Berger Burrichterbuch erwähnt ihn in den Jahren 1805 bis 1809 als „Kapitalisten“ (Kreditgeber) der Gemeinde. Wie sein Vater und Großvater ist auch er noch 1810 landesherrlicher Post- und Botenreiter.
Mit Lucia Elisabeth Hacker hatte er vier Kinder:
1. Bernhard Heinrich (geb.0803.1787)
2. Johann Gerhard (geb.15.05.1789)
3. Anna Catharina Margarete (geb. 03.12.1794)
4. Anna Maria Elisabeth (geb. 10.11.1791)
Johann Diedrich Wiebols stirbt am 26.08.1829 im Alter von 77 Jahren in Berge.
Quellen: Die Familie Wiebols, von Georg Balg (als Manuskript verfielfältigt)
Berge- Geschichte einer Landgemeinde, von Werner Dobelmann, Quakenbrück (Verlag Oelkers)






