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Herr Kreitlein ging vor Jahren schon, mit 65 in Pension. Aus Langeweile sah er drum sich bald nach einem Hobby um. Hierbei geriet er irgendwie an seine Ahnengalerie.
Das war was wirklich Interessantes,
was völlig Neues, Unbekanntes.
Und er beschloss sogleich deswegen,
sich einen Stammbaum zuzulegen.
Er stöberte in Stadtarchiven,
in Chroniken, in alten Briefen,
nahm sich bei manchem Dorfpastor
die dicken Kirchenbücher vor
und drang bei der Gelegenheit
weit, in die Vergangenheit.
Er fand 2 Schneider, einen Wirt,
4 Bauern, einen Schweinehirt,
je einen Küster, Müller, Bäcker,
drei Schmiede, einen Schieferdecker,
dann einen fürstlichen Lakai,
ein Postillion war auch dabei.
Ein Vorfahr war sogar Minister,
2 andere lebten als Magister.
Dann gab es ein paar Grenadiere,
2 Musikanten, 2 Barbiere,
3 Metzger, und im blinden Eifer
fand er noch einen Scherenschleifer.
Es war ein Baum mit vielen Zweigen,
von Nebentrieben ganz zu schweigen.
Herr Kreitlein brauchte viel Papier
viel Tinte und Geduld dafür.
Er kam bis fünfzehnhundertneun,
doch dann schien es vorbei zu sein,
denn hier versiegten alle Quellen.
Es war kein Ahn mehr festzustellen.
Darauf stieg Herr Kreitlein in den Zug,
der Ihn ins ferne Hamburg trug,
zu Dr. Dr. Dusterwald:
der als ein Fachexperte galt.
Er bat in bewegten Worten,
des Stammbaumes Wurzeln zu orten,
beziehungsweise jenen Mann,
mit dem die Reihe einst begann.
Der Doktor lächelte jovial:
"Verehrter, nun dann gehen Sie mal
in unseren weltbekannten Zoo,
gleich vorne an Abteilung zwo"
Herr Kreitlein fand dies sonderbar,
doch weil er schon in Hamburg war,
begab er sich am gleichen Tag
zu Hagenbeck. Ihn traf der Schlag!
Da saß in seiner Käfig-Villa
ein Affe, nämlich ein Gorilla.
Er blickte traurig und verwundert
in unser zwanzigstes Jahrhundert,
fing Läuse und verschlang Bananen.
Herr Kreitlein forschte nie mehr Ahnen.
Texter unbekannt, gefunden bei Eduard Pesè (http://e-pese.de/)






